Kein recht auf eine Zukunft?

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Re: Kein recht auf eine Zukunft?

Beitragvon Nicki » 05. Okt. 2017, 16:18

Hallo Cirilla

Wie geht es inzwischen? Bist du etwas weitergekommen?

Lg Nicki
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Re: Kein recht auf eine Zukunft?

Beitragvon Tigerlily » 28. Sep. 2017, 09:33

Pro Infirmis kann ich auch empfehlen. Ich hatte damals mit verschiedenen Stellen Kontakt und bekam jedes Mal andere Informationen - zum Verzweifeln. Nur bei Pro Infirmis erhielt ich kompetente Beratung und Antworten auf meine Fragen.
Auch ist eine Mitgliedschaft bei Pro Cap zu empfehlen, so wie Kojak das bereits geschrieben hat.

Kopf hoch und nicht aufgeben!
Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch. (Karl Valentin)
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Re: Kein recht auf eine Zukunft?

Beitragvon kojak » 27. Sep. 2017, 03:04

Cirillia, nimm doch mit der Pro Infirmis Kontakt auf. Mir haben sie gut geholfen. Beim schreiben der Bewerbungen können sie dir sicherlich auch Tipps geben.
Ihr habt doch sicherlch auch ein Arbeitslosenprogramm (falls es dann wirklich soweit kommen sollte), wo sie dir beim erstellen von Bewebungen usw helfen können. Da wirst du auch ceoucht für den ersten Arbeitsmarkt. Mensch Natur in Herisau. http://r.search.yahoo.com/_ylt=AwrIRhm1 ... aN0XudFMY- Ich war dort ein halbes Jahr am arbeiten und wurde auch geschult was Bewerbungen anbelangt.
Ich glaube in jeder grösseren Stadt ( hier war es Herisau im Appenzellerland, also keine Riesenstadt) gibt es so was.
Ich hoffe der Link funktioniert.
Gruss Kojak
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Re: Kein recht auf eine Zukunft?

Beitragvon Cirilla » 26. Sep. 2017, 23:35

Nicki hat geschrieben:Liebe Cirilla

Wie geht es dir denn heute?

Ich kann deine Gefühle ein grosses Stück nachvollziehen.Ich bekam die Diagnose mit 45, vor zwei Jahren. Ich dachte, ich sei gut versichert, hab damals 90% gearbeitet.... jetzt bekomm ich 800 Fr IV und kann auf meinen beiden Berufen nicht mehr arbeiten wegen der MS. Wie ich in Zukunft mein Leben finanziere? Mein Problem.
Und wenn ich das jemanden erzähle, wie das so läuft und so - es glaubts mir kein Mensch.

Auch mir sieht man fast nichts an. Der Weg durch Ämter, Gutachter, Beratungsstellen und so weiter war der Horror. Die Urteile von fremden Leuten. Der Macht ausgesetzt sein. Briefe, die mir ins Gesicht explodieren.Sich ohnmächtig fühlen.

Es gab Tage, da hab ich mir überlegt, jemanden zu erschiessen, den Gutachter oder mich.

Es ist eine grosse Aufgabe, mit dieser Lebenssituation klar zu kommen.

Wie bei dir - mein Freund (jetzt Ehemann) hat mir geholfen. Und Pudel Nino, mein lieber Kamerad.

Wer könnte dir denn sonst noch helfen? Bevor du dir etwas antust, lass uns überlegen, wie du eine kleine Imsel finden kannst.

Bitte melde dich wieder, kannst mir auch PN schicken.

Häb Sorg
Nicki


Hallo Nicki

Naja solala, hab jetzt fast eine Grippe hinter mir. und bei dir? Hoffe alles gut. :)

Es tut gut zu wissen das man nicht alleine ist. Dank deinen Worten fühle ich mich jetzt etwas mehr verstanden und nicht mehr so alleine, auch wenn ich niemandem dieses Leid wünsche.
Ich habe ganz am anfang 70% gearbeitet jetzt noch 60%, einfach weil ich sonst keine Zeit habe für Lehrstellen suche und das ganze. So eine bewerbung ist bei mir eben nicht in 5min geschrieben.
Mal abgesehen davon das ich nicht gerne schreibe. :lol:
Weisßt du, schon nur damit wäre bei mir eine Last weniger, aber nicht mal da bekomme ich Hilfe.

Ich habe einfach das Gefühl, wenn du nicht dem Typischen MS Bild entsprichst, wirst du von niemandem ernst genommen.
Ich glaube ich sollte meine Sozialarbeiterin mal fragen, ob ich günstiger bin wenn ich im Rollstuhl sitze, ob das Ihr ziel ist. Die frage wäre auf jeden Fall berechtigt.
und am 12.10.17 sehe ich sie wieder mit meinem Coach vom KA, die die nichts macht und sich an nichts erinnern kann. Und bei der ich alles wiederholen muss was ich von 4 Monaten gesagt habe. :roll:
Dann heißt es zwei gegen Eins. So wie immer. Und dann reden wieder beide aneinander vorbei und wenn ich Einzelgespräche habe, heißt es wieder etwas komplett anderes als das was wir abgemacht haben. Ich freue mich schon... :?: -.-

Das mit dem erschießen kann ich sehr gut nachvollziehen. So geht es mir jeden Tag. Immer wenn mir jemand dumm kommt, wünschte ich mir ich hätte eine Waffe.
Einfach weil ich an dem punkt angekommen bin, an dem mir jedes handeln egal ist und die Konsequenzen verlockender klingen als das was ich jetzt mache.

Weißt du, ich kann damit leben das ich MS habe, nicht weil der verlauf so gut ist oder weil ich keine andere Wahl habe. Sondern weil ich mich damit angefreundet habe. Es ist für mich nicht mehr eine Unheilbare Krankheit, es ist eher ein leicht nerviger Freund geworden, der mich für den Rest meines "Lebens" begleiten wird.

Es ist schön zu hören das dein Ehemann da ist. Das ist für dich sicher eine große Hilfe.
Ooooooh Pudeli Nino, süß das du eine kleinen Weggefährten hast, so wie ich meine Sola und Alaska habe.

Ich habe keine Ahnung was und wie man mir noch helfen kann/sollte. Ich sehe einfach keinen Ausweg mehr.

Häb oh Sorg

Cirilla

P.S. Für das i ni gern schribe, schrib i zimlich vil merk i grad. :lol: :lol:
AN ALLE MENSCHEN, DIE BEHAUPTEN, SIE WÜSSTEN WIE DER HASE LÄUFT, ER HOPPELT.
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Re: Kein recht auf eine Zukunft?

Beitragvon kojak » 25. Sep. 2017, 15:56

Ich habe selber die Dianose zwar schon vor knapp 12 Jahren bekommen und kann in meinen beiden erlernten Berufen (Pferdepflegerin und Landwirtin) auch nicht mehr arbeiten.
Ich habe die Diagnose zwar erst bekommen als ich ereits nicht mehr auf diesen Beufen gearbeitet habe. War über 8 Jahre als Verkaufsfahrer für Bofrst unterwegs (nix 8 Stunden Job), aber nach meinem schlimmsten Schub, welcher sich mit einem tauben rechten Arm geäussert hat von den Fingern bis zur Schulter und ich nicht einmal mehr einen Kugelschreiber halten konnte, wurde mir gekündigt. Ich war nicht mehr krank geschrieben, aber als Faher arbeiten ging noch nicht, also habe ich im Lager ausgeholfen und im Büro allerlei übernommen.
Da mein alter Chef in Pension ging bekam ich 2 Tage vorher noch die Kündigung. Er wollte eine saubere Sache hinterlassen. :(
War auch knapp 2 Jahre arbeitslos und habe schliesslich in einem Hühner- und Obstbetrieb eine eine zuerst 50 % und ein Jahr später fest, 30% Selle gefunden, welche ich leider nach 5 Jahren auch wieder verloren habe. In der Zwischenzeit kam noch die Frühzustellung der Zeitungen dazu, welche ich nun auch schon 6 1/2 Jahre mache.Ist zwar nicht super bezahlt, aber ich habe am Morgenfrüh meine Ruhe so fast alleine unterwegs bei Wind und Wetter.
Dazu kommt noch eine 1/2 IV Rente (zuviel zum sterben, zuwenig zum Leben).
Als ich ene Erhöhung der IV einforderte wurde sie abgelehnt, auch der Wiederspruch wurde abgewiesen. Teilweise hat sich IV selber wiedersprochen.
Auf Anraten von Pro Cap haben wir dann auf ein Gerichtsverfahren verzichet, da der Ausgang für mich eher ungünstig gewesen wäre.
Bin nun seit 2 Monaten ausgesteuert und bekomme 130 Fr. mehr Ergänzungsleistungen als vorher (Arbeitslosengeld war so zwischen 600-800.-Fr).
Ich selber schaue nicht mehr gross nach neuen Sellen, da ich mit meinen Ausbildungen sowieso Mühe habe etwas zu finden, vorallem,da ich kein Englisch kann (war zu meiner Zeit, Mittelalter, noch Freifach).
Ich habe mir trotzdem einen neuen Hund gekauft. Es ist ein Ururenkel von meinem jetzigen Rüden und er kommt Ende Woche aus Moskau.
Nimm doch mit Pro Cap (Jahesbeitrag ca.25 Fr pro Jahr), die haben auch Anwälte, welche dir helfen können oder die Proinfirmis. Ich bin mit beiden gut gefahren.
Gruss Kojak
Ich habe mir jetzt nichts testo
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Re: Kein recht auf eine Zukunft?

Beitragvon Nicki » 25. Sep. 2017, 13:48

Liebe Cirilla

Wie geht es dir denn heute?

Ich kann deine Gefühle ein grosses Stück nachvollziehen.Ich bekam die Diagnose mit 45, vor zwei Jahren. Ich dachte, ich sei gut versichert, hab damals 90% gearbeitet.... jetzt bekomm ich 800 Fr IV und kann auf meinen beiden Berufen nicht mehr arbeiten wegen der MS. Wie ich in Zukunft mein Leben finanziere? Mein Problem.
Und wenn ich das jemanden erzähle, wie das so läuft und so - es glaubts mir kein Mensch.

Auch mir sieht man fast nichts an. Der Weg durch Ämter, Gutachter, Beratungsstellen und so weiter war der Horror. Die Urteile von fremden Leuten. Der Macht ausgesetzt sein. Briefe, die mir ins Gesicht explodieren.Sich ohnmächtig fühlen.

Es gab Tage, da hab ich mir überlegt, jemanden zu erschiessen, den Gutachter oder mich.

Es ist eine grosse Aufgabe, mit dieser Lebenssituation klar zu kommen.

Wie bei dir - mein Freund (jetzt Ehemann) hat mir geholfen. Und Pudel Nino, mein lieber Kamerad.

Wer könnte dir denn sonst noch helfen? Bevor du dir etwas antust, lass uns überlegen, wie du eine kleine Imsel finden kannst.

Bitte melde dich wieder, kannst mir auch PN schicken.

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Kein recht auf eine Zukunft?

Beitragvon Cirilla » 20. Sep. 2017, 20:26

Ich habe lange darüber nachgedacht ob ich das überhaupt veröffentlichen soll, aber mittlerweile habe ich das Gefühl, wenn ich mir das von der Seele schreibe geht es mir eventuell etwas besser.
Und wenn nicht, ich hab sowieso nichts mehr zu verlieren, da ich mit 26 am Ende meiner kräfte angelangt bin.

wie gesagt, ich bin jetzt 26 Jahre alt und weiß beruflich keinen ausweg mehr.
Ich bin gelernte Schreinerin. Aber ich kann den Beruf in den Massen, in den es verlangt wird nicht mehr ausüben.
Ich weiß was ich brauche um meinen erlernten Beruf durchzuführen und das schafft mein Körper einfach nicht mehr.
Auch von meinem Hausarzt habe ich die Bestätigung bekommen, möglichst leichte arbeit auszuüben. Und das ist der Schreinerberuf auf keinen Fall.

Schon als ich am 9. Mai 2016 aus dem KH entlassen wurde, hat man mir gesagt, da ich mich so gut erholt habe und vor allem schnell (nach einem 5 tägigen schub) muss ich mich nicht bei der IV melden.
Ich bin dann hier in Bern zu BIZ gegangen, hab denen die ganze Geschichte erklärt. Die wiederum meinten ich soll mich bei der IV melden, was mir überhaupt nicht passt, trotzdem hab ich es gemacht.
Und wie erwartet reine Zeitverschwendung. ich wurde abgelehnt, da ich ja EIGENTLICH noch zu 100% arbeitsfähig bin, was ich NIE abgestriten habe, jedoch verweigern sie mir eine Zweite Lehre.
Ich soll meinen Beruf so lange ausüben wie es mein Körper zulässt, sprich, bis ich daran kaputt gehe. Dennoch verlangen sie von mir das ich für die Zukunft vorsorge, meine Vorsorge ist eine Zweite Lehre, aber Jetzt und nicht dann wenn es zu spät ist, weil es dann wieder heißt, "sie wussten das sie MS haben, und das sie diesen Beruf nicht ewig ausüben können, wieso haben sie nicht vorgesorgt"? Na wieso wohl nicht? weil ich keine Unterstützung bekomme.
Das ich von der IV abgelehnt wurde ist ein Segen für mich, nach all dem was ich hier lese, bin ich mehr als froh darüber. Ich will das alles alleine schaffen, einfach weil ich JETZT noch die Kraft dazu haben sollte. So mehr oder weniger.

Aber der Sozialdienst macht mir da einen strich durch die Rechnung.
Ich habe NIE ein Geheimnis daraus gemacht das ich eine zweite Lehre machen will, am Anfang hat meine Sozialarbeiterin das auch noch bestätigt und unterstützt. hat mir auch gesagt, wenn stellen abgebaut werden, gehöre ich zu den ersten die gehen müssen. das sehe ich genau so. Dennoch werde ich von Programm zu Programm geschickt nur damit ich "Erfahrungen" sammeln kann, in berufen die mich keinen meter interessieren, aber das ist ja egal.
Hauptsache sie können mich abschieben, und mir dann vorwerfen das ich nichts mache, obwohl ich arbeite, aber ja ich mache ja nichts, ist klar. :roll:

Der Höhepunkt für mich war, als sie mich ins KA (Kompetenzzentrum Arbeit) abgeschoben hat, da die mir helfen könne eine Lehrstelle zu finden.
und jetzt so nach 14 Monaten sagen die mir, ja aber wir vergeben keine Lehrstellen. Wir wissen nicht wieso sie überhaupt hier sind. Nett, sehr nett. :x
Jetzt habe ich noch 4 Monate Zeit eine Lehrstelle zu finden.

Sprich: eine Lehrstelle in der Logistik Lager EFZ (wurde auch vom Arzt abgesegnet), dann muss ich eine neue stelle suche da mein Arbeitsvertrag am 1.1.2018 ausläuft und nicht verlängert wird.
Und die stelle brauche ich um mich vom Sozialdienst lösen zu können, dann brauche ich ein Stipendium damit ich von dem Lehrlingslohn einen teil meiner Arztrechnungen zahlen kann.
Und dann noch einen Nebenjob damit ich essen, abo (wenn nötig, für Arbeitsweg) und Miete zahlen kann und den Rest der Arztrechnungen. Das alles in Vier Monaten.
Hört sich nur gering machbar an aber ist ja egal. :roll:

Und wieso der Titel von dem Thema so heißt wie er heißt?
Wie gesagt, ich bin 26, habe MS werde von allen seiten im Stich gelassen (auch von der MS Gesellschaft) und bin am ende.
Das schlimmste ist, mein verlauf von der ms ist sehr gut, ich bin immer noch zu 100% auf mich alleine gestellt, brauche keine Hilfe im Alltag
und man sieht mir nicht an das ich Krank bin und ich fühle mich auch nicht Krank. Ich sollte voller Energie sein um mir meine Zukunft aufzubauen
Und trotzdem ist mein einziger Gedanke, wie ich dieses erbärmlich Leben führen soll. Obwohl ich es am liebsten beenden will.

Das einzige was mich davon abhält ist mein Freund Stephan und meine zwei Katzen Sola und Alaska. Die einzigen die mich nicht enttäuschen oder mich im stich lassen.
Dafür bin ich dankbar, aber auch nur dafür. Der Rest kann mich mal. Freundlich ausgedrückt.

Cirilla :cry:
AN ALLE MENSCHEN, DIE BEHAUPTEN, SIE WÜSSTEN WIE DER HASE LÄUFT, ER HOPPELT.
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