Depressionen im Altag

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Re: Depressionen im Altag

Beitragvon rico31 » 19. Feb. 2018, 20:40

Also... Nun hole ich dementsprechend weiter aus.

iCat hat geschrieben: Kann kaum noch lachen.....verbreite schlechte Stimmung....Sachen die ich gerne so haben will und andere nicht machen, Machen mich so nervig

Nicki hat geschrieben: In der Schweiz nehmen sich etwa 1400 Personen pro Jahr das Leben. Die Mehrheit davon litten zuvor an einer depressiven Erkrankung. Das ist eine lebensgefährliche Geschichte.


Wenn jemand kurz vor dem Suizid steht, dann bitte in die Klinik und nicht im Forum... Ich denk da ist schon Eigenverantwortung drin und sonst ist, wenn überhaupt da das nahe Umfeld oder die Ärzte zuständig die die Behandlung machen. Aber da zieh ich ne Grenze was den Verantwortungsbereich betrifft. Wir können uns hier Wissen vermitteln und uns gegenseitig auf einiges aufmerksam machen. Aber nicht Suizidale retten. Ich sehe darin auch keinen Hilferuf wegen Suizidalität, sondern eine Krise, die für mich sehr gut zu MS passt.

Jeden Tag nehmen sich in der schweiz 3-4 Menschen das leben. Also die 1400 kommen in etwa hin. Nicht weniger betäuben sich mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten.
Hier möchte ich auf die eher unbekannte ICD-F6 Diagnostik verweisen, die Persönlichkeitsstörungen welche massgeblich an psychischen Krankheiten einfluss hat, als solche jedoch nicht stark gewichtet, geschweigedenn erkannt wird. Denn Depressionen können die Folge der "persönlichen Betrachtungsweise" sein. Denn wie man etwas erlebt, wie man gelernt hat zu denken, das hängt stark mit dem Persönlichkeitsstil zusammen. Daher kann die Depression bereits "in die Wiege gelegt" worden sein. Und dann hat man die Depression, und muss es ausbaden.

Nun, warum bringt sich der Mensch um?

1. Weil er sterben will?
Oder...
2. Weil er nicht mehr leben mag?

Diese Frage stelle ich den Menschen in der Klinik regelmässig. Sie Antworten zu 99.999% mit Antwort 2. Der Mensch will nicht sterben, sondern ist überfordert mit der Lebensbewältigung. Und ja, Krisen sind Chancen in der Entwicklung. Aber vielen Betroffenen wird der unterschied zwischen Frage 1 und 2 erst bewusst, wenn ich die Frage stelle. Erst dann merken sie, sie wissen nicht wie. Aber nun können sie es lernen, vorher "wollten" sie nicht mehr. Das ist ein grosser Unterschied im Empfinden.

Nun, warum mag der Mensch nicht mehr leben? Hier kommen viele für die Person belastende Dinge... Der eine hat den Job verloren, der andere den Partner, wieder ein anderer seine Gesundheit. Bei mir warens alle drei Faktoren... Das tut weh, es ist wie es ist, aber es geht vorbei. Mein erster Gedanke im Spital war, ich bring mich um. Und dann hab ich mich gegen diese Gedanken gewehrt. Und darum gehst. Ich wollte es erst nicht wahrhaben (wer will das schon), wäre in dem Moment lieber gestorben, als mit den Buchstaben MS leben zu müssenn. Aber das läuft unbewusst ab. Darum muss da Bewusstsein rein, dann sieht die Sache anders aus.

Egal was es ist, es kann völlig hirnrissig sein, etwas objektiv betrachtet völlig "bedeutungsloses" wie "der Hamster ist gestorben", doch subjektiv kann es vernichtend sein. Nun ja, das Ereignis ist nicht das wirkliche Problem, sondern dass der Mensch wirklich glaubt, dass sein leben nun keinen Sinn mehr hat. Dass der Mensch wirklich glaubt, er kommt damit nicht zurecht.

In unserer Gesellschaft sind Depressionen wie auch Suizidalität extrem weit verbreitet. Das ist nicht überall so. Wir Leistungs- und Wohlstandsmenschen können schwer akzeptieren, wenn es nicht nach unserem Kopf läuft. Und wenn das Bild in unserem Kopf zerbricht, dan zerbrechen wir mit, anstatt das Bild loszulassen. Das Bild kann die Realität sein, oder eine Illusion. Vor der Diagnose war die Gesundheit unsere Realität, nach der Diagnose wirkt es wie eine Illusion. Doch sind wir wegen den beiden Buchstaben nun kränker? Oft betand die Krankheit schon jahre zuvor, also war eigentlich schon das was wir als Gesundheit betrachteten die Illusion, da ging es uns aber besser, weil wir es nicht wussten. Das wiederum macht die mit der Diagnose verbundene Krankheit zur Illusion und zeigt, dass wir uns genau so gut fühlen können, wie vor der Diagnose. Aber das Bild in unserem Kopf, das entscheidet wie wir es betrachten.

Weil der Mensch ein Bild im Kopf hat, wie es sein soll. Wie es sein muss. Männer trinken sich zu tode, weil sie sich weigern zu weinen. Bringen sich lieber um als schwäche zu zeigen. Und so hat zwar jeder seinen Grund, aber der Grund ist ein Irrglaube. Irrsinn... Sich selbst zu töten, dafür gibt es viele irrsinnige Gründe, aber sie sollten gerade deshalb hinterfragt werden. Welche Frau würde sich umbringen, anstatt zu weinen? Für den Mann der keine Gefühle haben darf ist es aber stimmig... Und so stirbt der Mensch, weil er nicht umdenken konnte oder wollte. Weil er sich schämte, weil er es nicht akzeptierte, etc... Suizide sind tragisch, weil sie zeigen, dass der Mensch lieber sich selbst, als seinen Irrglauben aufgibt.

Im Fall von MS macht es schon Sinn depressiv zu werden, weil man gerne gesund sein will. Weil man MS logischerweise nicht haben will. Aber weil es nichts nutzt macht es eben zeitgleich auch keinen Sinn depressiv zu sein. Es zeigt nur, dass das Bild im Kopf zerbricht, und man es nicht loslassen kann. Es heisst, man akzeptiert die Situation nicht. Das ist der einzige Sinn der Depression. Aber das ändert auch nichts an der Situation. Es ist nun mal wie es ist. Aber ist es deswegen schlecht? Solange wir es ablehnen, solange wollen wir unseren Willen durchsetzen. Aber das geht nicht, es ist Sinnlos Dinge abzulehnen, welche Fakt sind. Vielleicht ist es auch das Wort unheilbar, welches uns innerlich zerfrisst, aber man muss das ja nicht glauben. Ich weigere mich z.B. das zu glauben. Ihr könnt alle glauben dass ich stur bin, aber ich weigere mich. Weil ich mir das recht rausnehme zu glauben was ich will, bzw. was mir gut tut. Würde ich an unheilbar glauben, so würde es mich vielleicht zerstören. Ich glaube lieber, es hat alles seinen Sinn, ein anderer glaubt es sei unfair und er wird bestraft. Nun kann man sich sein Leben lang daran aufreiben. Kann sich bemitleiden. Aber es ändert nichts und kostet nur Energie.

Nicki hat geschrieben: Im Zustand der Depression (NICHT der "depressiven Verstimmung") funktioniert das "positive Denken" eben leider nicht.
Aber die Haltung in der Richtung: Wenn du es anders sehen würdest... Weil du dir nicht genügend Mühe gibst... wenn du nur richtig willst..., dann hättest du keine Depression, die ist für mein Empfinden als post im Forum etwas grenzwertig. Gerade, weil du Psychiatrie-Pfleger bist.


Weisst Du Nicki... Ich fasse Inhalte sehr kurz zusammen. Und dann kommt gerne irgendwer, und interpretiert irgendwas rein. Ich habe vom Ist- und Sollzustand gesprochen, bzw. von der Diskrepanz. Wenn Du es nicht verstehst, dann frag nach. Aber interpretier nicht irgnedwas mit "mehr Mühe geben" rein. Ich habe vom Perspektivenwechsel gesprochen, mehr nicht.
Ich habe das nicht so gesagt wie Du das da schreibst, also unterstell mir sowas bitte nicht. Zudem wirds dann endlos kompliziert und lang weil es plötzlich um etwas völlig anderes geht, wenn Du die Aussage so verdrehst. Ich sag doch nicht, dass sich der Depressive mehr Mühe geben muss, damit die Depression weggeht.... :shock:

Es gelingt mir sehr gut den Menschen zu begleiten der in einer Krise steckt. Aber ich streiche ihm nicht nur den Kopf und rede gut zu, sondern stelle Fragen, hinterfrage mit dem Betroffenen zusammen sein Denken. Depressive geben sich oft viel Mühe, aber es gibt Kämpfe die man nur gewinnen kann, wenn man aufhört zu kämpfen. Die Depression zwingt früher oder später zu einer Veränderung, zum umdenken oder akzeptieren. Sie eröffnet einen neuen Weg, darum sind Krisen ja auch Chancen. Wer sie überwindet, der entwickelt sich darüber hinweg. Unsere geistige Entwicklung endet ja nicht mit der Schule...

Das logische Denken funktioniert bei depressiven Menschen mehrheitlich sehr wohl noch sehr gut. Sie stellen sich aber selten konstruktive Fragen und drehen sich daher gerne gedanklich im Kreis. Daher muss der Fokus im durchbrechen dieses Kreises liegen. Gedanken sind sehr machtvoll, aber nicht immer sinnvoll...Gedankenmuster sind oft gegeben (z.B. ICD-F6) daher kann man sich damit bestens im Kreis drehen. Z.B. mit MS bin ich nichts mehr wert. Der Verstand kann da aber sehr neutral hinterfragen. Und dann merkt man, hey, das stimmt ja gar nicht. Ich bin sehr wohl noch etwas wert, ich bin nicht nur MS, sondern ein Mensch mit vielen Qualitäten. Aber der, der sich gerade umbringen will, der siehst das nicht mehr. Darum ist konstruktives hinterfragen wichtig...

Z.B. mit warum Fragen... Warum bin ich depressiv? warum belastet es mich so stark? Warum lasse ich das so stark an mich ran? Warum überwältigt es mich?
Akzeptanz... Kann ich es akzeptieren? Warum kann ich es nicht akzeptieren? Wie kann ich es akzeptieren? Was nutzt es, es nicht zu akzeptieren?
Veränderungen... Verändert sich dadurch etwas zum Positiven? Geht es mir dadurch irgendwie besser? Soll es mir besser gehen? Darf es mir besser gehen? Muss es mir deswegen schlecht gehen? Muss ich deswegen depressiv sein? Was würde es besser machen? Wie stelle ich das an? Was hindert mich daran etc? Wo brauche ich hilfe, was kann ich alleine?
Was wäre wenn... Wenn ich es einfach akzeptieren würde, würde es mir dann besser gehen? Wäre ich dann noch depressiv?

Und durch solche Fragen nähern sich Ist-Zustand und Soll-Zustand an. Entweder in dem der Ist-Zustand akzeptiert wird, oder der Soll-Zustand heruntergebrochen und bescheidener gemacht wird... Dementsprechend wird die depressive Symptomatik geringer. Und das ist absolut logisch und funktioniert auch.

Wenn es jemand anders sehen will, oder wenn Nicki die Meinung nicht teilt oder es anders sieht, okay. Aber niemand wird je einen depressiven Menschen finden, dessen Ist-Zustand dem geistigen Soll-Zustand entspricht. Denn wenn alles ist wie es sein soll, dann sind wir glücklich. Das ist einfach Fakt.
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Re: Depressionen im Altag

Beitragvon Nicki » 15. Feb. 2018, 14:39

Ja, Rico, man kann alles so oder so sehen. (Mein Beruf hat damit auch zu tun)

Ich sehe es definitiv anders als du:

In der Schweiz nehmen sich etwa 1400 Personen pro Jahr das Leben. Die Mehrheit davon litten zuvor an einer depressiven Erkrankung. Das ist eine lebensgefährliche Geschichte.

Im Zustand der Depression (NICHT der "depressiven Verstimmung") funktioniert das "positive Denken" eben leider nicht.

Das bedeutet nicht, dass ich finde, dass es egal ist, wie man denkt und wie man sich verhält! Oder dass ich finde, es ist alles Schicksal, da kann man leider nichts machen.

Aber die Haltung in der Richtung: Wenn du es anders sehen würdest... Weil du dir nicht genügend Mühe gibst... wenn du nur richtig willst..., dann hättest du keine Depression, die ist für mein Empfinden als post im Forum etwas grenzwertig. Gerade, weil du Psychiatrie-Pfleger bist.

Aber eben. Wir sehen das wohl anders.

PS iCat: Vielleicht steckt auch eine Schilddrüsen-Erkrankung dahinter oder so?
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Re: Depressionen im Altag

Beitragvon rico31 » 15. Feb. 2018, 02:33

ach ja... und je mehr Übung Du hast, desto freier wird dein Geist und desto weniger und seltener fällst Du ins depressive...

Das Entscheidende ist der Perspektivenwechsel... die Sache anders zu betrachen (lernen)
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Re: Depressionen im Altag

Beitragvon rico31 » 15. Feb. 2018, 02:31

Hallo...

Ich bin Psychiatriepfleger... Ich versuch es kurz und schmerzlos...
Depressionen können unterschiedlich betrachtet werden...

Ich betrachte es gerne so:
Die Depression ist die Diskrepanz wischen dem Ist-Zustand und dem Soll-Zustand. Denn wenn das Leben so ist, wie Du es Dir wünschst, dann kannst Du kaum depressiv sein.

Entweder Du änderst den Ist-Zustand in den Soll-Zustand
Oder du akzeptierst den Ist Zustand ...

Beides wird die Depression wegmachen...

Aber es ist nicht so einfach...
Weil Du vielleicht vieles am Ist-Zustand akzeptieren musst, was Du nicht akzeptieren willst oder kannst...
Und weil Du vieles am Ist-Zustand ändern willst was Du nicht ändern kannst...

Dieser Prozess lernt Dich aber Demut und Gelassenheit... Du lernst das Glück in Dir selbst zu finden, was Dich nicht von den Umständen abhängig macht... Dadurch wirst Du freier....
Es ist eine Lebensaufgabe, an der auch ich arbeite....

Mit hilft es extrem mit dem Ist-Zustand und Soll-Zustand. Einfach mal bewusst machen wie die beiden Zustände aussehen.
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Re: Depressionen im Altag

Beitragvon Nicki » 12. Feb. 2018, 17:52

Liebe iCat

Ich kenne das. (Wenn auch nicht gerade jetzt im Moment)

Mir scheint, dass du zwei verschiedene Zustände ansprichst.

1. Im Titel Depression im Alltag und dass du nicht lachen magst.

Depression ist ein häufiges Begleitsymptom von MS. Ich kenne das - das ist ein unsäglicher innerer Zustand. Da sind Schmerzen oder Gangstörungen nichts dagegen (für mich). Da hilft "frische Luft" allein wohl nicht. Zudem ist das ganz gefährlich (Suizidthematik), also nicht unter den Teppich kehren oder runterspielen.

2. die Gereiztheit. Das hab ich auch, wenn ich über meine Grenzen gegangen und total erschöpft bin - dann ertrage ich gar gar nichts mehr. Ich bin nicht so eine Streithenne, wenn ich kann, weiche ich aus. Wenn das nicht geht, habe ich Mordgedanken gegen meinen Mann, weil er grad staubsaugt (wenn ich Lärm nicht ertrage) oder wissen will, ob ich die Rechnungen schon bezahlt hab (lass mich in Frieden, ich bin k.o.)

Seit wir wissen, dass ich MS habe, geht es besser, weil mein Umfeld jetzt Verständnis hat.

Hilft das?

Lg Nicki
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Re: Depressionen im Altag

Beitragvon Rüebli » 12. Feb. 2018, 14:03

Hallo Cat

nein, nicht so wirklich, denn lachen tue ich zu passenden Situationen liebend gern. Bei einem schlechten Witz halte ich mich natürlich mit einer Lachsalve zurück.

Was ich jedoch ab und zu kenne, ist das genervt sein, wenn ich trotz Bedarfsabklärung und Bekanntgabe meiner Wünsche (kein Wunschkonzert) geht dann so: Bitte kannst du/Sie mir noch.... bla bla etc. Da kann ich mit der Zeit richtig kratzbürstig werden.

Dann kommen die fiesen Sätze. "oh heute nicht gut gelaunt...?" Übergeh diese oder stell die Gegenfrage "Wie würdest du/Sie sich in der selben Situation denn fühlen?

Also lass dir nichts einschwatzen, geh stattdessen viel an die frische Luft, höre Musik von deiner Lieblingsband, Lese, schreibe oder leg dir gänzlich ein neues Hobby zu. Einfach gesagt aber ein Versuch der sich lohnt. Probier's mal.

Viel Erfolg und alles Gute

LG Rüebli
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Depressionen im Altag

Beitragvon iCat » 11. Feb. 2018, 20:31

Hallo zeme

Wer kennt das auch?

Kann kaum noch lachen.....verbreite schlechte Stimmung....Sachen die ich gerne so haben will und andere nicht machen, Machen mich so nervig

Wer kennt das auch?

LG ICat
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