Kognitive Probleme/ Konzentration

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Re: Kognitive Probleme/ Konzentration

Beitragvon rico31 » 11. Dez. 2017, 17:41

Hallo

Ich kenne das. Ich arbeite als Pflegefachmann HF auf der Akutstation (Psychiatrie)... Es ist nur logisch für mich, dass diese Smptome Leute wie uns treffen...In einem kurzen Rapport erfährst Du gleich am Morgen alles Relevante zu 20 Personen... Die Psyche, das Somatische, die Medikation, die soziale Situation, das Rechtliche, inkusive Asylstatus und den Krisensituationen der Welt... die aktuellen Sicherheitsaspekte und Handlungen damits nirgendwo schiefgeht, etc etc...
Dann gehst Du arbeiten und machst 5 Dinge Gleichzeitig, weils zu wenig Personal gibt. Du schaust auf Schüler welche irgendwie ausgebildet werden wollen und fängst Krisen der Patienten ab. Kontrollierst Medikamente, machst Blutentnahmen, daneben Zwangsmassnahmen und die zeitintensiven Überwachungen... und ständig klingelt das Telefon... Das Bestellwesen machst Du neben der Leistungserfassung und den unzähligen administrativen Arbeiten... Dazwischen hast Du noch die Arbeit am Patient, (inkl Bezugspersonenfplege mit Planung, evaluation etc)... wobei Du Dich aber immer unter Zeitdruck fühlst... Dann die Dokumentation von allem, die Gespräche mit Ärzten und Therapeuten... etc etc... und der ständige Lärm im Büro... keine Ruhe weil permanent jemand reinstürmt... Die Tür soll ja offen sein... selbst wenn Pause ist arbeiten wir nebenbei, weil immer jemand was braucht...

Mein liebes Herz77... Ich hatte teilweise nur noch eine geistige Leere... Ich sass manchmal bei der Dokumentation und konnte die Sätze nicht mehr formulieren, von Fachsprache ganz zu schweigen...Jeden Tag gibts tausend irrelevante Informationen und Ablenkungen... jeden Tag gibts 1000 Alibiübungen die nur Zeit kosten, die Krankenkassenprämien erhöhen und nichts bringen.

Das Schlüsselwort ist für mich ABGRENZUNG :!:
Es ist nicht einfach in diesem Beruf... weils nicht einfach um Maschinen, sondern eben um Menschen geht... Du siehst ständig das Leid... Doch jeder Mensch hat auch Eigenverantwortung. Jeder Mensch muss manchmal warten... und wenn die den Druck auf uns weiterhin erhöhen, dann werden früher oder später viele Unfälle passieren und Menschen zu schaden kommen...

Ich hab gelernt, nur das zu tun, was ich gerade tue... Also mit 100% dort zu sein, wo ich bin... Mir soviel Zeit zu nehmen wie es braucht... Wenns der Patient ist, dann nur der Patient... Wenns der Schüler ist, dann nur der Schüler... Wenn ich Medikamente kontrolliere, dann nur das. Und wenn ich im Isozimmer bin und der Oberarzt mich fürs Eintrittsgespräch will, dann muss er warten bis ich fertig bin. Das passt dem nicht, aber es ist mir egal... Als Pflege ist man Schnittstelle von 100 Bereichen...

Warum? Kein Mensch kann an mehr als einem Ort gleichzeitig sein... kein Mensch kann mehrere Dinge Zeitgleich tun, geschweige denn so viele...

Seit ich dies tue hat sich meine Konzentration stark gebessert. Weiter habe ich selbst viel weniger Anspannung weil ich mich nicht mehr für Alles verantwortlich fühle... Ich tue was ich kann, aber ich kann nicht mehr tun, als ich tun kann... Was ja logisch ist...

Ich habe bisher keinerlei Training fürs Hirn gemacht... Im Gegenteil... Ich tue bewusst "nichts"(Meditation, Kontemplation) und nehme z.B. einfach nur den Körper wahr... seither gehts mir deutlich besser...
Philosophiestunde: Warum sind wir krank?
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Re: Kognitive Probleme/ Konzentration

Beitragvon Korus » 12. Mär. 2017, 12:12

Hallo Herz77
Als MS Patient ist man halt bedingt gesund. Manchmal gibt es gute Tage und wieder dann schlechtere. Das entscheidende war, dass ich die Krankheit selber akzeptiert habe. Seitdem lebe ich leichter mit weniger Stress und innerer Angespanntheit.

Kurz zur Kognitionsstörung
Empfehle Konsil bei Neurologen.

Da ich selber aus der Akutpflege (Anästhesie) komme, kann ich mich in deine Beschreibung wiederfinden.

Alles gute
Gruß korus
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Re: Kognitive Probleme/ Konzentration

Beitragvon matz » 12. Feb. 2017, 16:31

eine verhaltenstherapie könnt helfen, in ZH wüsste ich eine gute therapeutin. es ist einfacher, nicht allein zu kämpfen!
viel mut! den hast du ja, sonst hättest du nicht geschrieben.

lg matz :D
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Re: Kognitive Probleme/ Konzentration

Beitragvon Herz77 » 22. Jan. 2017, 20:17

Hallo Zäme

Ich danke euch beide für eure Antwort. Du hast Recht dass eine Therapeutin sicher sinnvoll ist.
Und auch Gedächtnisübungen habe ich schon gemacht, ich aber zu meiner Schande sagen, dass ich es Zuwenig
konsequent mache ;-( . Wär wieder ein Versuch wert zu starten

Mein Selbstbewusstsein ist momentan sowieso am Boden. Da möchte ich ändern, denn ich weiss eigentlich schon,
dass ich wertvoll bin und ruhig sichere auftreten darf. Kaum ist jemand dominanter in meinem Umfeld, lasse ich mich
einschüchtern und ziehe mich zurück. Das hatte ich früher nicht. Es häng sicher auch damit zusammen, dass
ich mich von meiner Teamleiterin durch ihr Allgemeinwissen, Power einschüchtern lasse. Sie macht, dass nicht bewusst. Wenn
sie diese Aussage lesen würde, wär sie sicher sehr erstaunt, und es wäre ihr nicht bewusst.
Sie ist ja nicht das Problem, sonder ich bin die massgebende Person welche an sich arbeiten muss, sprich ICH.
Das beschäftig mich sehr, so sehr dass ich beim Schreiben dieser Zeilen weinen muss.
Ich habe gute Phase, da ich als für eine Chance sehen kann, indem wieder mehr Nachrichten schaue
und Zeitungen lese, auch wenn es nur 20 Minuten ist, smile.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag Abend,
Liebe Grüsse Andrea, äh Herz77 ;-))
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Re: Kognitive Probleme/ Konzentration

Beitragvon matz » 22. Jan. 2017, 17:11

hallo
vielleicht hilft dir das gespräch mit einer psychotherapeutin, evtl neuropsychologin.
natürlich machen allen betroffenen, mir auch! beeinträchtigte kognitive fähigkeiten zu schaffen.

wir sind nun halt krankheitsbedingt nicht voll leistungsfähig. da unbeeinträchtigte personen das nicht verstehen können und auch nicht müssen, müssen wir selber den adäquaten umgang finden. dabei kann psycholog. beratung helfen. frag doch mal bei der smsg diesbezüglich an.
matz
 
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Re: Kognitive Probleme/ Konzentration

Beitragvon Happy » 15. Jan. 2017, 15:37

Hallo Herz

Ich habe zwar das was du beschreibst nicht erlebt. Trotzdem will ich dir schreiben, damit du merkst, dass du nicht allein bist.
Ich finde du hast sehr Glück, mit deinem Arbeitgeber, so verständnisvoll ist nicht jeder. In erster Linie ist es ja toll, dass du nun stressfrei arbeiten kannst. Jedoch verstehe ich deinen Frust bezüglich deiner beruflichen Veränderungen.

Meine Art mit Einschränkungen umzugehen ist immer das Wahrnehmen und analysieren an was es liegt und dann suche ich Trainingsmöglichkeiten oder pflanzliche Hilfe. Bei dir vielleicht Ginkgo Biloba... da kannst du sicher etwas erreichen und dich dann vielleicht wieder neu positionieren. Lass dich nicht unterkriegen!

Ich habe die Diagnose seit 2008 und bin Mutter zweier Kinder. Ich arbeite Teilzeit und meine Hauptprobleme mit der MS sind das Gehen und der Uthoff.

Viel Glück, Mut und Kraft!

Lg Happy
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Kognitive Probleme/ Konzentration

Beitragvon Herz77 » 12. Jan. 2017, 20:25

Hallo Zusammen
Ich habe mal auf diese Forum gestöbert und vielleicht gibt es jemanden der ähnliches erlebt.
Vorallem bei der Arbeit habe ich Mühe mit der Konzentration, kann neue Infos nur nach einigen Wiederholungen verinnerliche, bei komplexeren Abläufen
verliere ich den Überblick ebenso bei Arbeiten welche eine schnellere Reaktion brauchen, ......
Ich habe ursprünglich als Pflegefachfrau auf einer Akutabteilung gearbeitet. Die Stationsleitung hat mich nicht mehr arbeiten lassen, da es auch die
Patientensicherheit gefährden kann. Das Schlimme ist, dass man mir somit nicht mehr das zutraut was ich ursprünglich erlernt habe.
Das schmerzt, und das Selbstwertgefühl isch oft am Boden.

Nun arbeite ich als Sachbearbeiterin in einem Dispositionbereich. Ich bekomme leichter Fälle zum Bearbeiten, und habe keine komplexe Fälle wie die
Arbeitskolleginnen. Und, klingt krass, und ich kann keinem Patienten Schaden zufügen. Ich arbeite nur Teilzeit.
Meine Einschränkung der Kognition wird berücksichtig, was ich toll und nicht als selbstverständlich anschaue. Ich hatte sehr sehr grosse Glück mit meinem
Arbeitgeber!!!
Aber trotzt allem fühle ich mich von der Arbeitswelt und privat nicht verstanden! Den viele Symptome (Vergesslichkeit, Konsentrationsschwäche,....) haben
auch "gesunde" Personen. Aber bei der MS ist es halt nochmals anders, intensiver und durchgehend.
Den Satz; "Das habe ich auch", "das ist doch normal", ist gut gemeint, aber dadurch fühle ich mich noch schlechter. Dadurch fühle ich mich noch unfähiger und inkompetent.
Den schliesslich ist es NORMAL. Mittlerweilen erzähle ich nichts mehr von meinen Symptomen.
Wenn ich sage, dass ich MS und Epi habe verstehen alle dass ich nicht 100% arbeiten sollte, aber wenn ich von den Symptome erzähle spüre ich etwas anderes.

Hat jemand ähnliches erlebt? Und wie geht ihr damit um.
Freu mich von jemanden zu lesen
Liebe Grüsse Herz77
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