Hallo Alex81
Zu deinen Fragen. Als sehr spontaner, offener Mensch, habe ich in gesunden Zeiten dementsprechend entschieden - zack, und die Meinung stand. Bin oftmals sogar zuu schnell in gewisse Dinge "reingeschossen"....tja und heute sieht es ein bisschen anders aus. Seit ich MS habe, tue ich mich vieel schwerer mit gewissen Entscheidungsfindungen - überlege viel mehr hin und her, wenn und aber, soll ich, soll ich nicht ?

Beides ist nicht ganz toll...früher wäre ich ab und zu froh gewesen, wenn ich gewisse Dinge nochmal überschlafen hätte, und heute könnte ich mich manchmal selber ohrfeigen, dass ich mich dermassen schwer tue, mit gewissen Entscheiden. Ich denke schon, dass die MS diesbezüglich ihre Spuren hinterlassen kann - ich denke nicht, dass das nur, oder vorallem mit zunehmendem Alter zu tun hat...einerseits bin ich sicherlich "überlegter" geworden, andererseits in gewissen Dingen "schwerfälliger". Könnte schon damit zusammenhängen, dass man mit MS nicht mehr soooo belastbar ist, wie in gesunden Zeiten - von diesem Phänomen sprechen ganz viele Betroffene. So fällt dann automatisch auch das Entscheiden schwerer.
Was die Maske der "Fröhlichkeit" anbelangt, da habe ich meine Mühe - man hört und liest immer wieder von der MS Euphorie....ich war schon in gesunden Zeiten ein Mensch, der lachen und auch mal blödeln konnte - ein Mensch, der die Fröhlichkeit liebt, aber trotzdem auch eine tiefgründige Ader hat. Dieses Naturell ist mir angeboren..... .....irgendwie finde ich es komisch, dass da sooo schubladisiert wird. Ich trage keine Maske - ich bin, wie ich bin.
Ab und zu nehme ich mich und meine Erkrankung auf die Schippe - ein bisschen sarkastisch, ich weiss. Für mich ist es aber in gewissen Situationen hilfreicher, als rumzujammern.
Wieso sollten kranke Menschen nicht mehr froh sein und lachen dürfen, ohne gleich in die Schublade der MS Euphorie geworfen zu werden ? Das geht jetzt nicht gegen dich, Alex...das ist wirklich etwas, worüber man immer wieder liest...klar ist es uns Betroffenen nicht immer ums Lachen zumute...wie gesunden Menschen auch nicht. Sicherlich lässt man sich schlechtere Zeiten nicht immer grad anmerken oder jammert auch nicht dauernd rum

Ist doch bei den meisten Gesunden auch nicht gross anders, oder ?.....viele MS Betroffene sind vom Naturell her "eher starke", sehr zielorientierte, zum Teil auch strebsame Persönlichkeiten. Es bereitet dann umso mehr Mühe, anzunehmen und zu akzeptieren, dass man halt zum Teil mit diesen 2 Buchstaben nicht mehr so funktionieren kann, wie das in gesunden Zeiten der Fall war, und wie man das gerne möchte.
Ich denke mir , dass mit diesem Umstand auch gesunde Menschen ihre Mühe haben - wenn sie älter werden, wenn sie merken, dass die Kräfte nachlassen, wenn sie nicht mehr so funktionieren, wie in jüngeren Jahren, dann haben auch sie ihre liebe Mühe ......die Phase des Abschiednehmens von "solchen Verlusten" tut immer weh - egal ob durch Erkrankung oder durch zunehmendes Alter - auch egal in welchem Alter.
Ich persönlich habe am liebsten, wenn man "ganz normal" mit mir umgeht - ich erwarte auch nicht, dass ich andauernd gefragt werde, wie es mir gerade geht ...Anteilnahme oder Mitgefühl in schlechteren Zeiten nehme ich gerne an, aber was ich hasse, ist Mitleid.....dieses ist nicht wirklich konstruktiv und hilft auch nicht weiter.
Soli, ich muss wieder - der Besuch trifft bald ein. Hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen und wünsche dir einen schönen, sonnigen Sonntag. Finde es übrigens gut, dass du dich hierher gewagt hastund Fragen stellst....-;
Aes Grüessli von Malayca
